Liesberg: Die Umsetzungsmassnahmen kommen Schritt für Schritt voran!
In enger Zusammenarbeit mit dem Forst (Kreisförster Beat Feigenwinter), der Abteilung
Natur und Landschaft des Kantons (Paul Imbeck, Markus Plattner) und dem Landwirtschaftlichen
Zentrum Ebenrain (Susanne Kaufmann) sind auch dieses Jahr bereits wieder etliche Massnahmen
durchgeführt worden.
- Im März wurde der Waldrand westlich der Erhollenweide grosszügig ausgelichtet. Im
lichten Wald entstehen Rasen, die jährlich gemäht werden. Die Vernetzung in Richtung
Soyhières JU wird verbessert und es werden Lebensräume auch für anspruchsvolle Schmetterlinge
geschaffen.

In Ergänzung zur Erhollenweide entstehen hier wertvolle Tagfalterlebensräume im sehr
lichten Wald
- Tannig ob der Liesbergweid: Im September wurden grosse Flächen am Waldrand aufgelichtet.
Lichter Wald mit gut entwickelter Krautvegetation wird hier bald Lebensraum für Schmetterlinge
bieten.
- Pflege der bereits geschaffenen Habitate im Gebiet Oltme: Betreut von den Förstern
war im September für eine Woche eine Schulklasse aus dem Kanton St. Gallen im Einsatz
für die Schmetterlinge. «Tagfalterschutz BL» hat den Kindern zusammen mit Agneta
Heuman von Pro Natura Schweiz, die den Einsatz organisert hat, eine Einführung ins
Thema gegeben: Warum Biodiversität erhalten? Warum Schmetterlinge im Baselbiet fördern?
Welches sind die Gefährdungsursachen? Wie können wir den Tagfaltern helfen?

Schüler im Einsatz auf der Oltme-Wiese
- Die vergrösserten Flächen im Gebiet Oltme entwickeln sich nach den Eingriffen von
2010 gut.

Diese Leitungsschneise wurde 2009 massiv verbreitert. Sie steht in unmittelbarer
Verbindung zum Kernlebensraum des Rostbraunen Wiesenvögelchens. Wir hoffen, dass
sie dereinst als Teillebensraum dieses sehr seltenen Falters dienen kann.
- Wöschi unterhalb der Erhollenweide: Mit einem weiteren Vertrag mit einem Landwirt
konnte die extensivierte Fläche rund um den Lebensraum des Violetten Silberfalters
vergrössert werden.
- Weiden zwischen Albach und Liesbergweid: Die Anpassung der Weideintensität, welche
zusammen mit dem Ebenrain erreicht werden konnte, zeigte 2010 ihre Wirkung: Alle
Gebiete waren gut beweidet, keine Flächen überstossen. Es sieht für die Zukunft gut
aus!

Die Weide im Gebiet Albach ist in diesem Jahr nicht unterstossen wie in den vergangenen
Jahren. Der Verbrachungsprozess konnte gestoppt werden.
Die Sensation: Der Grosse Eisvogel pflanzt sich in Baselland fort
Der grösste, aber auch einer der geheimnisvollsten und unbekanntesten Tagfalter im
Kanton Baselland ist der Grosse Eisvogel. Die letzten Falterbeobachtungen stammen
von 2002 (Eptingen) und 2007 (Nenzlingen). Aufgrund seiner versteckten Lebensweise
war bisher unklar, wo sich die Art im Kanton aktuell noch fortpflanzt. Um konkrete
Ansatzpunkte für den Schutz dieser Art im Baselbiet zu finden, hat nun Andreas Steiger
im Rahmen des Projekts «Tagfalterschutz BL» Nachsuchen an den beiden letzten Fundstellen
durchgeführt. Nahe dem Fundort von 2007 bei Nenzlingen/Pfeffingen konnte er jetzt
ein (leider verlassenes) Überwinterungsgehäuse des Grossen Eisvogels an einer Zitterpappel
finden. Hiermit haben wir nun endlich die Chance, den Grossen Eisvogel aktiv zu fördern.

Dieser Fund hat uns auf die richtige Fährte geführt: Grosser Eisvogel 2007 bei Nenzlingen
BL
(Foto Josef Borer)


Das von Andreas Steiger gefundene Überwinterungsgehäuse (Foto links) bei Pfeffingen
BL. Das Gehäuse ist leider verlassen, aber dennoch ein sicheres Zeichen für das aktuelle
Vorkommen des Grossen Eisvogels (Foto Andreas Steiger). Eine Raupe des Grossen Eisvogels
mit Überwinterungsgehäuse und charakteristischen Frassspuren am Blatt («Kotrippe»,
Foto rechts). Südschwarzwald (Foto Thomas Stalling).
Weitere spannende Tagfalterfunde 2010
Einige Highlights dieses Sommers waren nebst dem Grossen Eisvogel:
- die Beobachtung des Brombeer-Perlmutterfalters (Brenthis daphne) bei Anwil (Beat
Schaffner) und im Gebiet Chilpen (BNV-Exkursion: Werner Huber, Markus Fluri u.a.):
diese Art setzt ihre Ausbreitung nach Osten und in höhere Lagen fort.
- die Beobachtung des Rundaugen-Mohrenfalters (Erebia medusa) auf der Schafmatt, Oltingen
(Beat Schaffner, Paul Imbeck). Von dieser Art kennen wir nur wenige Vorkommen im
Kanton.

Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa) bei Oltingen (Foto Beat Schafner)
- die wiederholte Bestätigung der Vorkommen des Mädesüss-Perlmutterfalters im Westteil
des Kantons (Britta Lorenz).
- die Bestätigung des Vorkommens des Mattscheckigen Braun-Dickkopffalters (Thymelicus
acteon) im Gebiet Chilpen (Markus Fluri). Nachdem es einige Jahre keine Beobachtungen
mehr gab freuen wir uns, dass die Art dort noch vorkommt.
- die Entdeckung weiterer Vorkommen des Esparsetten-Bläulings (Plebicula thersites)
bei Oltingen (Beat Schaffner) und Wittnau (Beat Schaffner, Werner Huber). Es zeigt
sich zunehmend, dass die Art weiter verbreitet ist als bisher bekannt war.

Esparsetten-Bläuling (Plebicula thersites) bei Witnau (Foto Beat Schafner)
- die Bestätigung des Kleinen Waldportiers (Hipparchia genava) auf einer Fluh bei Liesberg
(Paul Imbeck). Eine Beobachtung dieser Art auf der Portiflue bei Zullwil SO aus 2008
(Josef Borer) lässt auch Nachsuchen auf Felsköpfen westlich Lauwil lohnenswert erscheinen.

Kleiner Waldporter (Hipparchia genava) bei Zullwil SO (Foto Josef Borer)
- die Bestätigung des Bergkronwicken-Widderchens auf Solothurner Boden, nahe der Vorderen
Wasserfallen (Werner Huber, Thomas Stalling). Immerhin gibt es damit noch ein schönes
Vorkommen nahe der Kantonsgrenze, nachdem das Vorkommen auf den Wasserfallen schon
lange erloschen ist und die Population auf der Lauchweid (sofern sie noch existiert)
wohl sehr klein ist.

Falter und Eigelege an Bergkronwicke des Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta) bei
Mümliswil SO (Fotos Thomas Stalling)
- wieder eine Beobachtung des Grossen Fünffleckwidderchens (Zygaena lonicerae), diesmal
bei Oltingen (Markus Fluri). Nach jahrelangen Beobachtungslücken gibt es somit aktuelle
Nachweise aus zwei Gebieten.
- der Nachweis des Steinkleebläulings (Polyommatus dorylas) bei Oltingen: Fast schon
eine Sensation! Wir kannten die Art aktuell nur aus dem westlichen Kantonsteil.