Tagfalterschutz Baselland

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Gemeindeprojekt Rothenfluh

Auch im zweiten Gemeindeprojekt wurden 2008 wichtige Massnahmen zugunsten der Schmetterlinge umgesetzt. Sie wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Natur- und Vogelschutzverein Rothenfluh/Anwil NUVRA (Bruno Erny, Martin Küng und Beat Schaffner), dem landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain, der Pro Natura Baselland und den lokalen Landwirten geplant und durchgeführt. Tagfalterschutz BL hat verschiedene Massnahmen angestossen und die lokalen Akteure beraten.

Der Schwerpunkt der Umsetzung liegt bei Massnahmen im Wiesland. Rothenfluh zeichnet sich durch ausgedehnte Hänge mit mageren Wiesen und Weiden aus. Nicht alle Flächen befinden sich aber in einem für Tagfalter geeigneten Zustand. Zwei wichtige Elemente der von Tagfalterschutz BL propagierten Anpassungen sind:

In Ergänzung zu den Massnahmen im Offenland wurden auch an den Waldrändern weitreichende Aufwertungsmassnahmen ausgeführt, einerseits durch das Forstamt beider Basel, andererseits durch die NUVRA. Die Eingriffe haben zum Ziel, die Waldränder strukturreich zu gestalten und auch Platz für blütenreiche Krautsäume zu schaffen.

Wie in Liesberg wurde 2008 auch in Rothenfluh eine Erfolgskontrolle mit jährlichen Transekterhebungen etabliert.

Aktivitäten in weiteren Vorranggebieten

 

Vorrangebiet Nr. 6 «Blauenweid, Blauen»

Die Blauenweide ist mit 46 ha Fläche die grösste Magerweide des Kantons. Die Tagfalterfauna ist vielfältig. Gemessen an der ausgezeichneten Lage, der reichen Flora und der immensen Fläche bleibt sie aber hinter den Erwartungen zurück. Auch der Vergleich mit den früher festgestellten Arten weist darauf hin, dass ihr Potenzial als Lebensraum für Tagfalter aktuell nicht ausgeschöpft ist. Insbesondere im Hochsommer zeichnen sich weite Flächen durch einen dichten und hohen Grasbewuchs und relativ wenige blühende Pflanzen aus. Für Tagfalter wichtige Krautpflanzen können sich unter diesen Bedingungen nicht optimal entfalten. Dazu gehören etwa der Wundklee, der Hufeisenklee und der Feld-Thymian.

Ein Grund könnte im Zeitpunkt der ersten Bestossung liegen. Grosse Flächen werden erst im Juni erstmals beweidet. Zu diesem Zeitpunkt steht das Gras schon hoch. Das Vieh kann die Menge an Futter nicht bewältigen und trampelt einen Teil des Grases nieder. Dieses wird nicht mehr gefressen, bleibt liegen und beschattet lichtliebende Pflanzen zusätzlich. Tagfalterschutz BL wollte deshalb eine testweise Anpassung des Weideregimes erreichen und die Auswirkungen auf die Vegetation und die Tagfalter untersuchen.

Dank tatkräftiger Unterstützung von Susanne Kaufmann, landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, und Ruedi Schmidlin, Weidchef der Blauenweide, war es möglich auf zwei Flächen von je etwa einer Hektare eine frühere Beweidung ab dem 15. Mai durchzuführen. Weil die Flächen später – im Rahmen des normalen Weideregime – nochmals abgefressen werden, ist die Beweidung insgesamt gründlicher.

Die ersten Ergebnisse sind ermutigend. Auf den beiden Versuchsflächen konnte über das ganze Jahr eine struktur- und blütenreiche Vegetation festgestellt werden. Ein dichter, hoher Grasbestand, welcher die für Tagfalter wertvollen Kräuter beschattet, war nicht zu beobachten. Ob sich die frühere Beweidung auch auf den Bestand der Tagfalter positiv auswirkt, müssen die kommenden Jahre zeigen. Einen Effekt erhoffen wir uns aus drei Gründen:

  1. Kurzfristig: Die Rosetten der wichtigen Eiablagepflanzen, etwa des Wundklees oder des Hufeisenklees, werden durch die gründlichere Beweidung freigelegt. Sie sind besonnt und bieten so ein ideales Mikroklima für die Larvalentwicklung. Erste Zählungen weisen auf einen positiven Effekt bei den Eiern des Himmelblauen Bläulings hin.
  2. Kurzfristig: Der Blütenreichtum ist in den stärker bestossenen Flächen über das ganze Jahr gesehen höher.
  3. Mittelfristig: Die Dominanzverhältnisse verschieben sich zugunsten der von Tagfaltern benötigten, lichtliebenden Kräuter.

Vorrangebiet Nr. 12 «Tummeten, Oberdorf»

Im Vorrangebiet Nr. 12 Tummeten in Oberdorf wurden erste bedeutende Massnahmen gemäss Konzept Tagfalterschutz BL realisiert. Unter der Federführung von Verena Kugler, der zuständigen Gemeinderätin, wurde die Revitalisierung des stark vergandeten «Weidli» eingeleitet. Vorgesehen sind drei Jahresetappen der Rückführung. Tagfalterschutz BL begleitet die Aufwertungsmassnahmen fachlich.

Anfang 2008 hat der Revierförster im Rahmen des Ersteingriffs die hohen Baumhecken massiv ausgelichtet. Danach hat die Stiftung ÖKO-JOB, unter der Leitung von Peter Bühlmann, die in die Weide vorstossenden Brombeeren und Gehölze drei Mal zurückgeschnitten und die stark verfilzten Rasen wieder gemäht.

Vorrangebiet Nr. 26 «Reinacher Heide»:

In enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Natur und Landschaft des Kantons und der Fachkommission des Naturschutzgebiets wurden drei bedeutende Aufwertungsmassnahmen umgesetzt:

  1. Aufwertung des Birsuferwegs: Im Winter 2007/2008 wurden am Nordende der Heide in einem 10 bis 20 Meter breiten Streifen entlang des Birsuferwegs die Gehölze massiv ausgelichtet. Dank des Eingriffs werden sich gut besonnte, strukturreiche Waldrand- und Saumlebensräume entwickeln, die auch seltenen Tagfaltern Lebensraum bieten können (z.B. dem Grossen Fuchs oder dem Grossen Schillerfalter). Zudem besteht nun ein Wanderkorridor, der wertvolle Lebensräume weiter nördlich mit der Heide verbindet, etwa die Trockenstandorte in der Brüglinger Ebene (Grün 80). Auch die Lebensräume, die im Rahmen der Revitalisierung der Birs im Bereich der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage geschaffen werden, werden Dank der neuen Schneise gut mit der Reinacher Heide vernetzt sein.
  2. Aufwertung des Schappeareals: Eine Ruderalfläche auf der linken Birsseite wird seit 2008 schrittweise aufgewertet. Hierbei werden gezielt Lebensräume für Tagfalter geschaffen, unter anderem magere, blumenreiche Wiesen, Saumstandorte und Ruderalfluren.
  3. Waldrandaufwertung: Am Südrand der Reinacher Heide wurde ein Waldrand aufgewertet. Anvisiert wird ein strukturreicher Waldmantel mit ausgedehnten Saumbereichen.

Mit Waldrandaufwertungen wird ein strukturreicher Gebüschmantel geschaffen. Für Tagfalter ebenso wichtig sind ausgedehnte Krautsäume mit gutem Angebot an Nektarpflanzen.

Die Blauenweide ist die grösste Magerweide des Kantons. Ihr Potenzial als Lebensraum für Tagfalter ist noch nicht ausgeschöpft.

Eine von zwei Versuchsflächen: Links die früh beweidete Teilfläche, rechts der noch nicht beweidete Teil. Kurz nach der Beweidung ist der unbeweidete Teil noch blütenreicher.

Erhebung der Schmetterlingspflanzen und Tagfalter-Eier entlang einer Zählstrecke: Der dichte Grasbewuchs in den spät beweideten Flächen ist markant.

Die früh beweideten Flächen zeichnen sich durch einen hohen Blütenreichtum aus.

Stefan Birrer zeigt den Journalisten wie es um die Tagfalter in der Reinacherheide steht (Link zum bz Artikel März 2008).
 

Aufgelichteter Korridor in der Reinacherheide (Foto rechts). Dank dieser Massnahme können die Schmetterlinge sich besser ausbreiten.

Das «Weidli» war bis Anfang 2008 stark verbuscht und von hohen Baumhecken beschattet. Schon die ersten Eingriffe werden die steile Weide als Lebensraum für die Tagfalter massiv aufwerten.

Verena Kugler (zuständige Gemeinderätin), Hans Jörg Müller (Biologe und Naturschützer, Niederdorf) und Urs Chrétien (Pro Natura BL) anlässlich einer Begehung mit Tagfalterschutz BL im Juni 2008.

Vorrangebiet Nr. 27 «Mühlebachtal, Allschwil»:

Im Mühlebachtal in Allschwil konnten wichtige Massnahmen zugunsten der seltenen Waldschmetterlinge umgesetzt werden. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Allschwil, dem Forstamt beider Basel, dem Landwirtschaftszentrum Ebenrain und der Fachstelle Natur und Landschaft des Kantons werden Espen und Sal-Weiden seit 2008 massiv gefördert. Die  beiden Weichhölzer sind als Raupenfutterpflanzen für die beiden Schillerfalter-Arten sowie weitere Schmetterlinge sehr bedeutend.

Im Frühjahr wurden von Revierförster Markus Lack ca. 40 Espen und 180 Sal-Weiden an den Waldrändern des wertvolleren südlichen Abschnitts des Tals gepflanzt. Weitere 40 Espen und 30 Sal-Weiden wurden im März 2008 im Norden des Tälchens gesetzt (A. Dill, Umweltbeauftragter der Gemeinde, zusammen mit der SP-Sektion Allschwil). Weitere Espen werden durch die Abteilung Natur und Landschaft (Markus Plattner) im Frühjahr 2009 im Bereich der neu geschaffenen Weiher gepflanzt.

Wenn sich die Weichhölzer gut entwickeln, werden sich die Lebensraumbedingungen für die beiden Schillerfalter-Arten schon kurzfristig bedeutend verbessern. Wir dürfen gespannt sein, wie die Tagfalter die Aufwertungen annehmen werden.

Im hinteren Mühlebachtal werden Espen und Sal-Weiden gezielt gefördert, namentlich an den Waldrändern und um die neuen Weiher.

Der Kleine Schillerfalter ist eine der beiden Zielarten im Mühlebachtal (Ramlinsburg 2008, Bild Rico Braun). Die Raupen entwickeln sich an der Espe.

Sponsoren:              

Ebenfalls in Liesberg wurde im Winter 2007/2008 an der Grenze zu Soyhières im Gebiet «Riesel» die feuchte Bachmulde massiv durchforstet; dichte Gehölze wurden entfernt und die Krautschicht freigestellt. Die Massnahmen wurden von Revierförster G. Walser initiiert und von Tagfalterschutz BL fachlich begleitet. Ziele sind die Förderung von Spierstaudenfluren und feuchten Krautsäumen sowie von Weichholzgruppen (Weiden, Espen). Von diesen Lebensräumen profitieren der Violette Silberfalter (Brenthis ino) und die beiden Schillerfalter-Arten. Es darf als grosser Erfolg gewertet werden, dass der Violette Silberfalter 2008 von Britta Lorenz in namhafter Zahl beobachtet werden konnte, nachdem der Lebensraum über Jahre in sehr schlechtem Zustand war; letzte Beobachtungen aus diesem Gebiet stammen von 1995.

Violetter Silberfalter (Brenthis ino)

Das schon 2006 zugunsten des Violetten Silberfalters (Brenthis ino) angepasste Pflegeregime wurde 2007 und 2008 unter der Regie von Revierförster G. Walser fortgeführt. Der Erfolg der Massnahmen wird mittels jährlicher Zählung der Falter im Frühsommer überwacht.

Gemeindeprojekt Liesberg

Die Erhollen-Weide ist von besonderer Bedeutung für den Raum Liesberg und ein besonders reicher Tagfalter-Hotspot. Seit ein paar Jahren gibt sie allerdings zur Sorge Anlass: Weite Teile zeigen einen starken Trend der Verbrachung. Der Adlerfarn hat schleichend grosse Flächen eingenommen und Brachezeiger wie die Bunte Kronwicke oder der Dost breiten sich zunehmend aus. Im oberen Hangteil ist der Blütenreichtum massiv zurückgegangen. Zusammen mit dem landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain (Susanne Kaufmann) wurden deshalb die folgenden Massnahmen eingeleitet:

Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Weideregime sind sehr viel versprechend. Die Vegetationsstruktur – vor allem im unteren Teil der Weide – hat sich markant verbessert. Die obere Hälfte ist noch immer monoton und blütenarm. Die gründliche Beweidung dürfte sich aber auch hier bald positiv auswirken. Die Auswirkungen auf die Tagfalterfauna werden seit 2008 mittels jährlicher Zählung der Falter im Frühsommer überwacht (4 Begehungen auf 8 Zählstrecken/Transekten à 250 m).

Auf dieser Magerwiese beruhen die Hoffnungen für die Ansiedlung einer neuen Teilpopulation des Rostbraunen Wiesenvögelchens.

Wir vermuten, dass sich nicht zu grossflächige, von Wald oder Gehölzen gesäumte Magerwiesen besonders gut als Lebensraum für das Rostbraune Wiesenvögelchen eignen. In der Nordwestschweiz finden sich die verblieben Populationen überwiegend an solchen Standorten.

Die Spierstaudenflur wird jährlich gemäht, aber nur zu maximal zwei Dritteln der Fläche.

Die Erhollen-Weide wurde 2008 erstmals mit einem Elektrozaun in eine untere und eine obere Hälfte unterteilt. Auf diese Weise wurde das Vieh gezwungen, auch den steileren Hangfuss abzuweiden.

Vom neuen Weideregime profitieren Lichtliebende Pflanzen wie der Feld-Thymian und der Hufeisenklee – zwei wichtige Schmetterlingspflanzen.

Dank leicht mit Krüppelschlehen verbuschter Bereiche blieb die Weide trotz intensiverer Beweidung ganzjährig struktur- und blütenreich.

Das Echte Tausendgüldenkraut hat im ersten Jahr der Umstellung zu Hunderten geblüht. Möglicherweise auch dies ein Effekt des neuen Regimes.

Aktivitäten und Neuigkeiten im 2008:

Aktivitäten im Rahmen der prioritären Umsetzungsprojekte:

 

Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta)

In enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt und der Naturschutzfachstelle wurden an den Waldrändern der Lauch- und der Rehhagweid auf mehreren Aren einst offene, felsige Bereiche wieder frei gestellt. So erhält die Scheidige Kronwicke, die einzige Raupen-Futterpflanze des Widderchens, neuen Lebensraum. Die rund 30 gefällten Buchen mussten mit einem Schwerlast-Helikopter weggeführt werden, da das Gelände mit Fahrzeugen nur schwer zugänglich ist (Fotos vom Einsatz).

Auch die Kronwickenvorkommen in den Rasen der Lauchweid wurden 2008 gefördert. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftszentrum Ebenrain konnte eine Anpassung des Weideregimes realisiert werden, welche sich positiv auszuwirken scheint. Eine frühere Beweidung ab Anfang Mai verhindert, dass die lichtbedürftigen Kronwicken von konkurrierenden Kräutern überwachsen werden. Aufgrund der ersten Eindrücke scheint eine Ausbreitung der Kronwicke realistisch. Auf der Ostseite der Weide wurde der Adlerfarn massiv bekämpft. Alle Massnahmen zugunsten der Magerrasen kommen auch anderen seltenen Schmetterlingen sowie weiteren bedrohten Insekten zugute, etwa der Rotflügeligen Schnarrschrecke.

Nachdem 2008 von Werner Huber nur drei Raupen des Widderchens entdeckt werden konnten, bleibt zu hoffen, dass die Nahrungssituation für die Raupen noch rechtzeitig verbessert werden kann! Die kommenden Jahre werden die Antwort liefern.

Rostbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion)

Die Ausdehnung des Halbtrockenrasens im Gebiet Oltme schreitet voran. Zudem entwickelt sich die Vegetation der nahen Schneise der Telegraphenleitung sowie einer Waldlichtung positiv. Beide Flächen kommen als Lebensraum der Art in Betracht. Für beide Flächen hat Revierförster Gerhard Walser eine weitere Vergrösserung in Aussicht gestellt. Mittelfristig dürfen wir also auf eine Besiedelung hoffen.

Die laufenden Kontrollzählungen haben ergeben, dass sich das kleine Vorkommen seit 2005 gut hält und einzelne Tiere auf benachbarten Wiesen und Weiden auftauchen. Eine natürliche Ausbreitung ist also möglich.

Das Bergkronwicken-Widderchen ist das farbenprächtigste «Blutströpfchen» der Schweiz (Foto Walter Schön, www.schmetterling-raupe.de.).

Das Gelände ist sehr unwegsam und der Abtransport der Bäume äussert schwierig und aufwendig.

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