Tagfalterschutz Baselland
Ein Projekt der Pro Natura Baselland











Gemeindeprojekt Rothenfluh
Auch im zweiten Gemeindeprojekt wurden 2008 wichtige Massnahmen zugunsten der Schmetterlinge
umgesetzt. Sie wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Natur-
Der Schwerpunkt der Umsetzung liegt bei Massnahmen im Wiesland. Rothenfluh zeichnet sich durch ausgedehnte Hänge mit mageren Wiesen und Weiden aus. Nicht alle Flächen befinden sich aber in einem für Tagfalter geeigneten Zustand. Zwei wichtige Elemente der von Tagfalterschutz BL propagierten Anpassungen sind:
In Ergänzung zu den Massnahmen im Offenland wurden auch an den Waldrändern weitreichende Aufwertungsmassnahmen ausgeführt, einerseits durch das Forstamt beider Basel, andererseits durch die NUVRA. Die Eingriffe haben zum Ziel, die Waldränder strukturreich zu gestalten und auch Platz für blütenreiche Krautsäume zu schaffen.
Wie in Liesberg wurde 2008 auch in Rothenfluh eine Erfolgskontrolle mit jährlichen Transekterhebungen etabliert.
Aktivitäten in weiteren Vorranggebieten
Vorrangebiet Nr. 6 «Blauenweid, Blauen»
Die Blauenweide ist mit 46 ha Fläche die grösste Magerweide des Kantons. Die Tagfalterfauna
ist vielfältig. Gemessen an der ausgezeichneten Lage, der reichen Flora und der immensen
Fläche bleibt sie aber hinter den Erwartungen zurück. Auch der Vergleich mit den
früher festgestellten Arten weist darauf hin, dass ihr Potenzial als Lebensraum für
Tagfalter aktuell nicht ausgeschöpft ist. Insbesondere im Hochsommer zeichnen sich
weite Flächen durch einen dichten und hohen Grasbewuchs und relativ wenige blühende
Pflanzen aus. Für Tagfalter wichtige Krautpflanzen können sich unter diesen Bedingungen
nicht optimal entfalten. Dazu gehören etwa der Wundklee, der Hufeisenklee und der
Feld-
Ein Grund könnte im Zeitpunkt der ersten Bestossung liegen. Grosse Flächen werden erst im Juni erstmals beweidet. Zu diesem Zeitpunkt steht das Gras schon hoch. Das Vieh kann die Menge an Futter nicht bewältigen und trampelt einen Teil des Grases nieder. Dieses wird nicht mehr gefressen, bleibt liegen und beschattet lichtliebende Pflanzen zusätzlich. Tagfalterschutz BL wollte deshalb eine testweise Anpassung des Weideregimes erreichen und die Auswirkungen auf die Vegetation und die Tagfalter untersuchen.
Dank tatkräftiger Unterstützung von Susanne Kaufmann, landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, und Ruedi Schmidlin, Weidchef der Blauenweide, war es möglich auf zwei Flächen von je etwa einer Hektare eine frühere Beweidung ab dem 15. Mai durchzuführen. Weil die Flächen später – im Rahmen des normalen Weideregime – nochmals abgefressen werden, ist die Beweidung insgesamt gründlicher.
Die ersten Ergebnisse sind ermutigend. Auf den beiden Versuchsflächen konnte über
das ganze Jahr eine struktur-
Vorrangebiet Nr. 12 «Tummeten, Oberdorf»
Im Vorrangebiet Nr. 12 Tummeten in Oberdorf wurden erste bedeutende Massnahmen gemäss Konzept Tagfalterschutz BL realisiert. Unter der Federführung von Verena Kugler, der zuständigen Gemeinderätin, wurde die Revitalisierung des stark vergandeten «Weidli» eingeleitet. Vorgesehen sind drei Jahresetappen der Rückführung. Tagfalterschutz BL begleitet die Aufwertungsmassnahmen fachlich.
Anfang 2008 hat der Revierförster im Rahmen des Ersteingriffs die hohen Baumhecken
massiv ausgelichtet. Danach hat die Stiftung ÖKO-
Vorrangebiet Nr. 26 «Reinacher Heide»:
In enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Natur und Landschaft des Kantons und der Fachkommission des Naturschutzgebiets wurden drei bedeutende Aufwertungsmassnahmen umgesetzt:
Mit Waldrandaufwertungen wird ein strukturreicher Gebüschmantel geschaffen. Für Tagfalter ebenso wichtig sind ausgedehnte Krautsäume mit gutem Angebot an Nektarpflanzen.

Die Blauenweide ist die grösste Magerweide des Kantons. Ihr Potenzial als Lebensraum für Tagfalter ist noch nicht ausgeschöpft.
Eine von zwei Versuchsflächen: Links die früh beweidete Teilfläche, rechts der noch nicht beweidete Teil. Kurz nach der Beweidung ist der unbeweidete Teil noch blütenreicher.
Erhebung der Schmetterlingspflanzen und Tagfalter-
Die früh beweideten Flächen zeichnen sich durch einen hohen Blütenreichtum aus.





Aufgelichteter Korridor in der Reinacherheide (Foto rechts). Dank dieser Massnahme können die Schmetterlinge sich besser ausbreiten.
Das «Weidli» war bis Anfang 2008 stark verbuscht und von hohen Baumhecken beschattet. Schon die ersten Eingriffe werden die steile Weide als Lebensraum für die Tagfalter massiv aufwerten.
Verena Kugler (zuständige Gemeinderätin), Hans Jörg Müller (Biologe und Naturschützer, Niederdorf) und Urs Chrétien (Pro Natura BL) anlässlich einer Begehung mit Tagfalterschutz BL im Juni 2008.


Vorrangebiet Nr. 27 «Mühlebachtal, Allschwil»:
Im Mühlebachtal in Allschwil konnten wichtige Massnahmen zugunsten der seltenen Waldschmetterlinge
umgesetzt werden. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Allschwil, dem Forstamt beider
Basel, dem Landwirtschaftszentrum Ebenrain und der Fachstelle Natur und Landschaft
des Kantons werden Espen und Sal-
Im Frühjahr wurden von Revierförster Markus Lack ca. 40 Espen und 180 Sal-
Wenn sich die Weichhölzer gut entwickeln, werden sich die Lebensraumbedingungen für
die beiden Schillerfalter-
Im hinteren Mühlebachtal werden Espen und Sal-
Der Kleine Schillerfalter ist eine der beiden Zielarten im Mühlebachtal (Ramlinsburg 2008, Bild Rico Braun). Die Raupen entwickeln sich an der Espe.



Ebenfalls in Liesberg wurde im Winter 2007/2008 an der Grenze zu Soyhières im Gebiet
«Riesel» die feuchte Bachmulde massiv durchforstet; dichte Gehölze wurden entfernt
und die Krautschicht freigestellt. Die Massnahmen wurden von Revierförster G. Walser
initiiert und von Tagfalterschutz BL fachlich begleitet. Ziele sind die Förderung
von Spierstaudenfluren und feuchten Krautsäumen sowie von Weichholzgruppen (Weiden,
Espen). Von diesen Lebensräumen profitieren der Violette Silberfalter (Brenthis ino)
und die beiden Schillerfalter-
Violetter Silberfalter (Brenthis ino)
Das schon 2006 zugunsten des Violetten Silberfalters (Brenthis ino) angepasste Pflegeregime wurde 2007 und 2008 unter der Regie von Revierförster G. Walser fortgeführt. Der Erfolg der Massnahmen wird mittels jährlicher Zählung der Falter im Frühsommer überwacht.
Gemeindeprojekt Liesberg
Die Erhollen-
Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Weideregime sind sehr viel versprechend. Die Vegetationsstruktur – vor allem im unteren Teil der Weide – hat sich markant verbessert. Die obere Hälfte ist noch immer monoton und blütenarm. Die gründliche Beweidung dürfte sich aber auch hier bald positiv auswirken. Die Auswirkungen auf die Tagfalterfauna werden seit 2008 mittels jährlicher Zählung der Falter im Frühsommer überwacht (4 Begehungen auf 8 Zählstrecken/Transekten à 250 m).
Auf dieser Magerwiese beruhen die Hoffnungen für die Ansiedlung einer neuen Teilpopulation des Rostbraunen Wiesenvögelchens.
Wir vermuten, dass sich nicht zu grossflächige, von Wald oder Gehölzen gesäumte Magerwiesen besonders gut als Lebensraum für das Rostbraune Wiesenvögelchen eignen. In der Nordwestschweiz finden sich die verblieben Populationen überwiegend an solchen Standorten.
Die Spierstaudenflur wird jährlich gemäht, aber nur zu maximal zwei Dritteln der Fläche.

Die Erhollen-
Vom neuen Weideregime profitieren Lichtliebende Pflanzen wie der Feld-
Dank leicht mit Krüppelschlehen verbuschter Bereiche blieb die Weide trotz intensiverer
Beweidung ganzjährig struktur-
Das Echte Tausendgüldenkraut hat im ersten Jahr der Umstellung zu Hunderten geblüht. Möglicherweise auch dies ein Effekt des neuen Regimes.




Aktivitäten und Neuigkeiten im 2008:
Aktivitäten im Rahmen der prioritären Umsetzungsprojekte:
Bergkronwicken-
In enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt und der Naturschutzfachstelle wurden an
den Waldrändern der Lauch-
Auch die Kronwickenvorkommen in den Rasen der Lauchweid wurden 2008 gefördert. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftszentrum Ebenrain konnte eine Anpassung des Weideregimes realisiert werden, welche sich positiv auszuwirken scheint. Eine frühere Beweidung ab Anfang Mai verhindert, dass die lichtbedürftigen Kronwicken von konkurrierenden Kräutern überwachsen werden. Aufgrund der ersten Eindrücke scheint eine Ausbreitung der Kronwicke realistisch. Auf der Ostseite der Weide wurde der Adlerfarn massiv bekämpft. Alle Massnahmen zugunsten der Magerrasen kommen auch anderen seltenen Schmetterlingen sowie weiteren bedrohten Insekten zugute, etwa der Rotflügeligen Schnarrschrecke.
Nachdem 2008 von Werner Huber nur drei Raupen des Widderchens entdeckt werden konnten, bleibt zu hoffen, dass die Nahrungssituation für die Raupen noch rechtzeitig verbessert werden kann! Die kommenden Jahre werden die Antwort liefern.
Rostbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion)
Die Ausdehnung des Halbtrockenrasens im Gebiet Oltme schreitet voran. Zudem entwickelt sich die Vegetation der nahen Schneise der Telegraphenleitung sowie einer Waldlichtung positiv. Beide Flächen kommen als Lebensraum der Art in Betracht. Für beide Flächen hat Revierförster Gerhard Walser eine weitere Vergrösserung in Aussicht gestellt. Mittelfristig dürfen wir also auf eine Besiedelung hoffen.
Die laufenden Kontrollzählungen haben ergeben, dass sich das kleine Vorkommen seit 2005 gut hält und einzelne Tiere auf benachbarten Wiesen und Weiden auftauchen. Eine natürliche Ausbreitung ist also möglich.


Das Bergkronwicken-
Das Gelände ist sehr unwegsam und der Abtransport der Bäume äussert schwierig und aufwendig.

