Tagfalterschutz Baselland

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Den Schwerpunkt des Projekts «Tagfalterschutz BL» bilden die konkreten Massnahmen zugunsten bedrohter Tagfalter. Es ist aber nach wie vor erwünscht, dass wir unsere Kenntnisse über die Verbreitung und die ökologischen Ansprüche der Arten laufend verbessern. Dies ist nur teilweise im Rahmen des Projekts (z.B. bei Begehungen und Kontrollzählungen) möglich. Wichtig sind auch Beobachtungen, die uns in verdankenswerter Weise von Naturliebhabern und -kennern übermittelt werden. Weiter tragen freiwillige HelferInnen wichtige Kenntnisse zum Projekt bei. Sie unternehmen gezielt Exkursionen, um Informationen zu ausgewählten Arten zusammen zu tragen. Derzeit sind Josef Borer, Britta Lorenz, Beat Schaffner, Andreas Steiger und Dieter Thommen für das Projekt unterwegs. Wir danken ihnen herzlich für ihren Einsatz und ihre wertvollen Beiträge. 2008 wurden die folgenden wichtigen Erkenntnisse gewonnen:

 

Grosser Eisvogel (Limenitis populi): Ein neues Lebenszeichen

Vom Grossen Eisvogel, der grössten Tagfalterart der Schweiz, sind aus den letzten Jahrzehnten nur wenige gesicherte Beobachtungen im Baselbiet bekannt. Ein grossartiges Bild gelang Josef Borer im Juni 2007 in Nenzlingen. Es belegt, dass die Art bei uns noch vorkommt, wenn auch sehr selten. Wo die Fortpflanzungsplätze liegen wissen wir leider noch nicht. Dies wäre aber wichtig, um gezielte Förderungsmassnahmen für die bedrohte Art durchzuführen.

 

Neue Erkenntnisse

Kronwicken-Bläuling (Lyceides argyrognomon): Baldige Wiederansiedlung?

Der Kronwicken-Bläuling gilt im Baselbiet seit 1946 als ausgestorben; die letzte Beobachtung stammt aus der Reinacher Heide. Nach über 60 Jahren ohne Nachweis konnte Matthias Plattner am 9. Juni 2008 wieder ein Männchen feststellen, und wiederum in der Reinacher Heide. Ein einzelnes Männchen macht noch keine Population, kann aber Vorbote einer baldigen spontanen Ansiedlung sein.

Die Art ist offenbar in Ausbreitung: In Basel konnte 2008 ein ansehnlicher Bestand auf den Bahngeländen nördlich der Wiese entdeckt werden. Auch die Eiablage ist belegt. Überall wo in den wärmsten Lagen ausgedehnte Vorkommen der Bunten Kronwicke zu finden sind, darf auch im Baselbiet auf eine Ansiedlung der Art gehofft werden. Wir sind auf die weitere Entwicklung gespannt!

Foto: Männchen an Säugerkot (Nenzlingen 2007, Foto Josef Borer)

Roter Scheckenfalter (Melitaea didyma): Wieder Nachweise aus dem Kanton Baselland

Der wunderschöne Scheckenfalter war früher im Tafel- und Faltenjura weit verbreitet. Seit 1964 fehlte aber jede Spur. 2004 und 2005 wurden wieder einzelne Tiere dieses wunderschönen Scheckenfalters im Gebiet Ried beobachtet. 2008 konnte dann Beat Schaffner mehrere Exemplare im kantonalen Naturschutzgebiet «Röti-Rumpel» feststellen. Ob diese Beobachtungen auf ein kleines, beständiges Vorkommen im Baselbiet hindeuten oder auf regelmässige Einwanderung aus den Kantonen Aargau und Solothurn zurückgehen, wo noch kräftige Populationen vorkommen, wissen wir noch nicht. Die Lebensräume im Naturschutzgebiet lassen auf eine feste Ansiedelung hoffen.

Die Oberseite des Roten Scheckenfalters ist leuchtend rot gezeichnet. Unverkennbar und ebenso schön ist die Musterung der Unterseite (Anwil 2008, Foto Beat Schaffner)

Lebensraum im Gebiet Röti-Rumpel in Anwil

Kleiner Waldportier  (Hipparchia genava): Im Laufental wiederentdeckt

Die erfreulichste Nachricht 2008 kommt vom Kleinen Waldportier. Die von uns noch 2005 als möglicherweise ausgestorben klassierte Art wurde 2008 gleich an zwei Stellen in Liesberg entdeckt, in den Felsen des Chestels sowie des Löffelbergs. Es ist zu vermuten, dass die Art alle grossen Felsgebiete im Laufental besiedelt. Noch ungeklärt ist, ob die Art auch in den Felsgebieten des Oberbaselbiets noch immer vorkommt. Möglicherweise hat die Art von Massnahmen zur Auflichtung von Felsköpfen, Schutthalden und Waldrändern profitiert. Nicht auszuschliessen ist zudem, dass die eher südlich verbreitete Art durch die Klimaerwärmung begünstigt wird.

Felsgebiete mit lichtem Baumbestand sind der Lebensraum des Kleinen Waldportiers im Laufental. Dieser gut besiedelte, nicht zugängliche Hang befindet sich am Berg «Chestel» in Liesberg.

Der Kleine Waldportier ruht gerne an Baumstämmen.

Der Falter ist nicht scheu und setzt sich, um Salz zu lecken, auch auf Menschen.

Frühlingsscheckenfalter (Hamearis lucina): Weniger selten als befürchtet

Bei unseren ersten Erhebungen 2005 sind wir nirgendwo auf den Frühlingsscheckenfalter gestossen. Dies hat sicher damit zu tun, dass ein Grossteil unserer Begehung nach Mai stattgefunden hat, der Hauptflugzeit der Art. Da uns aber auch nur sehr spärlich neuere Meldungen der Art vorlagen, waren wir etwas besorgt über die Bestandessituation im Kanton. 2007 und 2008 konnte die Art nun gleich in sechs Gebieten festgestellt werden: Belchenflue (Simon Keller), Lauchweid Ost und Rehhagweid (Werner Huber), Romaiweid/Geitenberg (Simon Keller), Chliweidli/Bogental (Thomas Stalling) und Dittinger Weide (Regula Tester).

Der Frühlingsscheckenfalter bewohnt lichte Waldstellen und magere Rasen in Gebüsch- und Waldrandnähe. Hier ernährt sich die Raupen monophag von Schlüsselblumen (Chliweidli 2008, Foto Thomas Stalling).

Das Chliweidli im oberen Bogental (Lauwil) bietet dem Frühlingsscheckenfalter geeigneten Lebensraum.

Kurzschwänziger Bläuling (Everes argiades): Früher vom Aussterben bedroht, heute weit verbreitet!

Eine Erwähnung verdient der Kurzschwänzige Bläuling. Seit 2005 ist er in den tiefen Lagen des Kantons einer der häufigsten Tagfalter. Er vermehrt sich hier auch in artenarmen Wiesen mit Rot-Klee, der bevorzugten Futterpflanze der Raupen. Bis vor wenigen Jahren galt er im Baselbiet als ausgestorben und in der Schweiz als akut bedroht. Die Rückeroberung unseres Gebiets geht vermutlich auf eine Einwanderung aus südlicheren Gebieten im Hitzejahr 2003 zurück.

Wie die Zipfelfalter besitzt der Kurzschwänzige Bläuling ein kurzes Schwänzchen am Hinterflügel.

Dieses Weibchen hat gerade Eier an den Rot-Klee gelegt und stärkt sich nun an den Blüten des Horn-Klees.

Auch der Zweibrütige Würfelfalter (Pyrgus armoricanus) hat sich im Baselbiet in den letzten Jahren stark ausgebreitet.

Ein Weibchen des Kronwicken-Bläulings: Im Gegensatz zur Südschweiz sind die Tiere der Region Basel prächtig blau übergossen (F-Kembs 2006, Foto Thomas Stalling).

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Link zu ein paar schönen und sensationellen Funden ...