Tagfalterschutz Baselland

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Die Vorranggebiete des Konzepts «Tagfalterschutz BL» sind die Hotspots der Tagfaltervielfalt im Baselbiet. Liesberg und Rothenfluh wurden als Hotspot-Gebiete mit besonders hohem Entwicklungspotenzial ausgewählt. Mit den Aktivitäten in den beiden Gemeinden soll eine vorbildliche und umfassende Tagfalterförderung demonstriert werden. Liesberg und Rothenfluh sollen Vorzeigeprojekte für andere Regionen des Kantons sein und dadurch über die Gemeindegrenzen hinaus eine positive Wirkung entfalten.

Die Förderungsprojekte in und um die Vorrangebiete der beiden Gemeinden ergänzen die Artenschutzprojekte in idealer Weise; zahlreiche stark gefährdete Arten profitieren von den Aufwertungen. Darüber hinaus kommen Massnahmen auf der Ebene einer ganzen Gemeinde auch Arten entgegen, die hohe Flächenansprüche stellen, wie etwa dem Schwarzgefleckten Bläuling in Liesberg. In Liesberg ist insbesondere auch die Vernetzung unter den vier Vorranggebieten und mit den Tagfalterlebensräumen im benachbarten Kanton Jura von Bedeutung. Hierfür gilt es die zahlreichen noch vorhandenen mageren Borde und Kleinlebensräume in ihrer Qualität zu sichern resp. aufzuwerten.

 

 

Hotspot-Projekt Liesberg

Gleich vier Vorranggebiete liegen in der Gemeinde Liesberg: Nr. 1 «Mülibächli», Nr. 2 «Erhollen», Nr. 3 «Bergweid» und Nr. 4 «Oltme-Liesbergweide». Die ausgedehnten Magerwiesen beherbergen eine überdurchschnittliche Tagfaltervielfalt, unter anderem sieben der neun besonders gefährdeten Arten. Zwischen den vier Vorranggebieten gibt es viele wertvolle, vernetzende Lebensraumelemente wie magere Böschungen und Feldgehölze.

Liesberg ist im Kanton Baselland der Tagfalter Hotspot schlechthin. Von den knapp 100 Arten, die das Baselbiet beherbergt, kommen rund 80 in Liesberg vor. Zwei Arten kommen aktuell ausschliesslich in Liesberg vor und drei weitere Arten besitzen hier ihren Verbreitungs­schwerpunkt. Von besonderer Bedeutung ist Liesberg auch für den Schwarzgefleckten Bläuling (Maculinea arion), der sehr grossflächige Lebensräume benötigt. Neben den ausgedehnten Magerweiden und -wiesen tragen in Liesberg weitere seltene Lebensräume zum überragenden Reichtum bei, etwa lichte Waldbestände, Felsgebiete und Feuchtgebiete.

 

Ziele und Massnahmen:

Ziel 1: Bereitstellen neuer, hochwertiger Tagfalter-Lebensräume für gefährdete, anspruchsvolle Arten der Halbtrockenrasen und Buschbrachen.

Massnahmen: Schaffen von 4 ha Buschbrache (als Lebensraum für den Segelfalter und den Akazienzipfelfalter) und von 3 ha Magerweide im Gebiet «Erhollen» durch «Rodung» einer Ersatzaufforstung. Ferner Aufwerten von 4 ha Magerweide im Gebiet «Oltme-Liesbergweide» als Lebensraum für den Schwarzgefleckten Bläuling (Maculinea arion) und weitere Arten.

Ziel 2: Verbessern der bestehenden Magerwiesen in den Gebieten «Erhollen» und «Bergweid» zugunsten zahlreicher gefährdeter Arten.

Massnahmen: Anpassen des Weide- und Mahdregimes sowie Zurückdrängen der Adlerfarnbestän­de, Pflege der Feldgehölze in den Weiden.

Ziel 3: Verdoppelung der Populationsgrösse des Gemeinen Scheckenfalters (Melitaea cinxia) im Gebiet «Bergweid».

Massnahme: Schaffen von Brachebereichen und Saumstrukturen als Larvenlebensraum.

Ziel 4: Vernetzen der vier Vorranggebiete.

Massnahme: Erhalt und Aufwertung von wertvollen Habitatstrukturen ausserhalb der Perimeter.

Förderungsprojekte in Hotspot-Gebieten:

Hotspot-Projekt Rothenfluh

Wie Liesberg ist auch Rothenfluh für Schmetterlinge eine Besonderheit. An den Hängen rund um das Dorf liegen in unterschiedlicher ausgedehnte Halbtrockenrasen und blütenreiche Fromentalwiesen. Sie bilden das Vorranggebiet Nr. 25 «Dübachtal». Namhafte Flächen des Gebietes stehen bereits unter Schutz (u.a. kantonal, auch Schutzgebiet von Pro Natura Baselland).

In Rothenfluh kommen mehrere gefährdete Tagfalterarten der Magerwiesen in zum Teil beachtlichen Beständen vor, ausserdem seltene Gebüsch- und Waldarten. Dank der Grösse und Vielseitigkeit des Gebiets bestehen zahlreiche Möglichkeiten für Aufwertungs­massnahmen. Das Potential für die Tagfalterfauna ist mit Sicherheit noch nicht ausgeschöpft. Die Bedeutung von Rothenfluh für die Tagfalter im östlichen Kanton Baselland soll erhalten und noch gestärkt werden.

 

Ziele und Massnahmen:

Ziel 1: Verbessern des Magerwiesenlebensraums zugunsten einer hohen Tagfaltervielfalt im ganzen Gebiet.

Massnahmen: Aufwerten der Wiesenlebensräume durch Schaffen eines Mosaiks von Flächen mit verschiedenen Schnittterminen, punktuell Extensivieren der Beweidung.

Ziel 2: Förderung von Arten «vergraster» Wiesen, wie dem Weissen Waldportier (Brintesia circe).
Massnahmen: Schaffen von Flächen mit 2-jährigem Schnittrhythmus.

Ziel 3: Fördern von Arten der Waldränder, Gebüsche und Hecken, z.B. des Waldteufels (Erebia aethiops) oder des Pflaumenzipfelfalters (Fixsenia pruni).

Massnahmen: Auslichten der Waldränder, Schaffen lichter Waldstandorte, Fördern von Gebüschen mit Raupenfutterpflanzen.

Liesberg beherbergt das grösste Vorkommen des Schwarzgefleckten Bläulings im Kanton (Erhollenweide Juni 2008). Bild rechts: Lichter Föhrenbestand an der Westflanke des Chestels.

In Rothenfluh finden sich ausgedehnte Magerwiesen- und weiden. Viele Waldränder wurden in den letzten Jahren ökologisch aufgewertet. Das Bild zeigt das Teilgebiet Horn.

Der seltene Pflaumenzipfelfalter wurde in Rothenfluh in jüngster Zeit mehrfach beobachtet. Die Art ist als Falter schwer nachzuweisen; einfacher lassen sich die Eier entdecken.

Die Bergweid oberhalb des Hofs Albach ist eines der wertvollsten Gebiete in Liesberg.

Der Räschberg beherbergt zahlreiche seltene Arten, u.a. den Gemeinen Scheckenfalter. Im Hintergrund die Liesbergweide.

Der Gemeine Scheckenfalter (Bild) und das Rostbraune Wiesenvögelchen kommen derzeit ausschliesslich in Liesberg vor.

<i>Maculinea arion</i>

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